Seit jeher setzen Menschen die unterschiedlichsten Mittel ein, um den jeweils vorherrschenden Schönheitsidealen zu entsprechen, sei es mit Hilfe von Kleidung und Schmuck oder auch durch direkte Veränderungen des Körpers.
Jedes Volk, jede Kultur hat dabei seine eigenen Vorstellungen. Zum Beispiel gibt es die Padaung-Frauen, sog. ”Giraffenfrauen”, die einem Bergvolk im Südosten Myanmars angehören und ihr Hals durch das tragen von mehreren Messi
ngringen verlängern. In verschiedenen afrikanischen und amerikanieschen Ethnien ist das Einlegen von Scheiben in die Lippen, die sog. “Tellerlippen”, ein Schönheitsideal. Andere Völker dagegen bringen Narben auf ihre Haut an. Diese Mittel dienen jedoch oft einer sozialen Botschaft, wie etwa der Zugehörigkeit zu einer Klasse oder einem Clan.
Im alten China galt es als schön, wenn Frauen ihre Füße zu einem Lotosfuß zusammen banden.
Das Schönheitsideal hat sich im Laufe der Zeit mehrmals verändert. Lasst uns eine kleine Zeitreise durch die Welt machen und sehen, welche Entwicklung sie in Sachen Schönheit gemacht hat:

Die Grazien (Chariten) waren drei schöne Göttinnen der Freude, des Charmes und der Schönheit im antiken Griechenland.
In der Antike hatten Frauenfiguren eher kleine, aber feste Brüste und dazu ein für heutige Begriffe kräftiges Becken. Die männliche Traumfigur war die des jugendlichen Athleten. Fettleibigkeit galt als begehrtes Wohlstandszeichen.
Weiter zum Mittelalter. Hier war die Frau schön, wenn sie mädchenhaft wirkte. Schlank mit leicht gerundeten Schultern und kleinen festen Brüsten. Trotz der schmalen Hüfte war der Bauch auffällig nach vorne gerundet. Was für den Betrachter wie schwanger aussieht, war bis in das 17. Jahrhundert das Zentrum der erotischen Aufmerksamkeit. Hohe Stirn (Haare wurden am Ansatz ausgerupft), blaue Augen und rosa Wangen umrahmt von blonden gelockten Haaren galten als ideale weibliche Schönheit. Der ideale Mann hatte schmale, aufrechte Schultern und eine nach vorne geschwellte Brust, lange Beine, große Füße.
Zur Zeit der Renaissance und des Barock kamen dann die Rubensfrauen. Diese waren wohlbeleibt und verfügten über starke Hüften, aber kleinen hochsitzenden Brüsten. Auch im Gesicht ist das Zeichen der Wohlgenährtheit zu finden, wie etwa einen “Doppelkinn”. Die Haut soll schneeweiß sein, die Wangen leicht gerötet und die Lippen auf jedenfall purpurrot.
Ab Mitte des 17. Jahrhunderts kommen die Korsetts in Mode. Für fast drei Jahrhunderte wird die Sanduhrform zum Zeichen für Weiblichkeit. Männer wie Frauen lassen ihr Gesicht unter einer dicken Schicht weißer Tünche verschwinden und tragen stark parfümierte Perücken.
Im 19. Jahrhundert wurde die Kledung nach der französichen Revolution für eine Weile bequemer und praktischer. Bald aber zwängten sich die Frauen wieder in enge, gesundheitsgefährdende Korsetts. Inzwischen galt es bei Männern unmännlich sich zu schminken und Perücken zu tragen. Bei Frauen galt starkes Make-up zunehmend für moralisch bedenklich.
Reisen wir weiter zum Bürgerlichen Zeitalter. In Kreisen der Romantiker sind bei den Frauen Essig und Zitrone Diäten Kult, während das viktorianische Bürgertum Körperfülle als Zeichen von Wohlstand schätzt. In den 50er und 60ern zählte Marilyn Monroe mit Größe 42 zu den schönsten Frauen. Doch dann kam Twiggy. Nicht nur die dünne Frau galt als schön, sondern auch das auftauchen von Freizeitmode.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts tritt ein Wandel in der Wahrnehmung des Körpers statt: Fett wird mit Trägheit in Verbindung gebracht und Schlankeit steht dagegen für Erfolg und Leistungswillen.
Die Zeitreise zeigt uns auf, dass das Schönheitsideal ein ständiges hin und her ist. Früher war es die schneeweiße Haut, heute ist es die sonnengebräunte. Mal ist es die wohlgeformte Frau und nun die schlanke dünne. Und was wird es morgen sein?




