Wachgeküsst

Sie war wunderschön. Ihre langen braunen Haare fielen glatt ihren Rücken herab und umrundeten ihr ernstes Gesicht, wodurch ihr etwas sanftes und vertrauenswürdiges verliehen wurde. Sie war blass, so weiß wie ihr Kleid, welches ihren zarten Körper umspielte. Dennoch umgab sie eine leuchtende Aura. Fast geisterhaft wirkte sie, als sie auf mich zugeschwebt kam. Sie erhob ihren dünnen Arm und drückte mit ihrem langen knöchigen Zeigefinger gegen meine Stirn. Genau an die Stelle zwischen meinen beiden Augen. Gegen mein Drittes Auge.  Ich sah halbgelähmt dem Geschehen zu. Wer war diese Frau? “Wer bist du?”, presste ich aus mir heraus und sah ihr dabei in ihre treuen braunen Augen, die wie Mandeln in ihr Gesicht gezeichnet waren. Ohne eine Veränderung ihrer Mimik antwortete sie mit einer aussagekräftigen, aber liebevollen Stimme: “Marina.”
Sie nahm ihre Hand zurück, trat näher an mich heran. Ich konnte mich nicht fortbewegen. Nein, ich wollte es auch gar nicht. Ich war fasziniert von ihr, sogar versteinert. Ich sah wie sich ihr Mund dem meinen näherte. Sie hatte schöne Lippen. Dann, als sie nah genug war, küsste sie mich auf den Mund. In meinem Kopf drehte sich alles. Wer war diese Frau? Wieso küsste sie mich? Aber ich konnte mich nicht fortbewegen. Ihre Lippen verharrten lange auf meinen.
Verwirrt öffnete ich meine Augen und stellte im dunkel meines Zimmers fest: Es war ein Traum. Ein seltsamer Traum. Hatte es eine Bedeutung? Ich fragte mich, was sie mir mitteilen wollte. Und am nächsten Tag habe ich angefangen das Buch Marina zu lesen.

Halte an deinem Traum fest!

Meine Schwester studiert auch und ist gerade im Prüfungsstress. Sie hat mir vor ein paar Tagen folgende Geschichte erzählt, die ich hier etwas abgeändert zusammengefasst habe:

Wenn ein Kind krabbeln kann, sagt ein Erwachsener niemals: Der wird es nicht schaffen zu laufen. Aber das Kind steht auf, hält sich fest, lässt los, versucht die ersten Schritte, fällt. Dann steht es wieder auf und fällt wieder runter. Das geht so weiter, bis es irgendwann tatsächlich laufen kann. Aber keiner der Erwachsenen nimmt ihm die Hoffnung. Im Gegenteil. Es wird geholfen, das Kind wird gehalten und motiviert weiter zu machen.

Später wenn das Kind älter ist, hat es Träume. Es will zum Beispiel Arzt werden oder Pilot. Die Eltern sind ganz stolz und freuen sich darüber.
Wenn das Kind erwachsen ist, ändert sich die Situation. Dann heißt es: Das ist doch schwer. Das packst du nicht. Das bekommt keiner hin.

Aber wieso sollte es nicht funktionieren? Es gibt doch auch andere die es schaffen. Wieso also nicht bei dir oder bei mir. Manche können die Schule mit links, ein anderer Schüler muss dafür vielleicht mehr lernen. Ihr kennt das sicherlich auch: Es gibt Schüler die kriegen Einser obwohl sie kaum was dafür tun und Schüler die müssen tagelang büffeln. Aber letztendlich kann auch er eine Eins bekommen.

Letztendlich können wir alles erreichen was wir wollen. In jedem von uns steckt die selbe Fähigkeit etwas zu erreichen. Halte an deinem Traum fest!

Gibt es einen Weihnachtsmann?

Jedes Kind glaubt an den Weihnachtsmann, der kommt und Geschenke bringt, wenn man ein braves Kind ist. Auch ich glaubte daran, bis ich alt genug war…
Bei meiner vier Jahre jüngeren Schwester lief das etwas anders ab. Mit sieben glaubte sie immer noch fest an den Weihnachtsmann. Sie war stolz ein gutes und braves Mädchen gewesen zu sein und freute sich dafür Geschenke zu bekommen.
Als die Tage nahten, konnte ich es nicht mehr mitansehen. Ich konnte ihr Leben nicht auf einer Lüge basieren lassen. Sie musste die Wahrheit erfahren. Ich ging zu ihr und sagte: “Es gibt keinen Weihnachtsmann!” Sie schaute überrascht zu mir auf und antwortete: “Doch! Von ihm kommen die Geschenke.” Ich konnte es nicht verstehen. Wie konnte sie nur so sehr an ein “Märchen” glauben? Dann sagte ich mit all meiner Überzeugungskraft: “Du spinnst! Wie kannst du nur glauben, dass da wirklich ein fremder Mann in rot kommt und dich beschenkt? Das sind unsere Eltern! Die erfahren von dir was du dir wünschst und das bekommst du.” Sie war über meine Aussage so durcheinander, das sie zu weinen begann und immer noch entschlossen sagte, dass es den Weihnachtsmann ja doch gebe und ich es ihr nur ausreden wolle. Sie gab nicht auf und hielt an ihrem Glauben fest, bis sie eines Tages alt genug war.

Die achtjährige Virginia O`Hanlon aus New York wollte es 1897 ganz genau wissen. Darum schrieb sie an die Tageszeitung “Sun” einen Brief.

„Ich bin acht Jahre alt. Einige von meinen Freunden sagen, es gibt keinen Weihnachtsmann. Papa sagt, was in der ,Sun’ steht, ist immer wahr. Bitte, sagen Sie mir: Gibt es einen Weihnachtsmann?”

Virginia O’Hanlon

Die Sache war dem Chefredakteur so wichtig, dass er seinen erfahrensten Kolumnisten, Francis P. Church, beauftragte, eine Antwort zu entwerfen – für die Titelseite der „Sun”.

„Virginia, deine kleinen Freunde haben nicht Recht. Sie glauben nur, was sie sehen; sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschengeist ist klein, ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im Weltall verliert er sich wie ein winziges Insekt.

Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, die ganze Wahrheit zu erfassen und zu begreifen.

Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Es gibt ihn so gewiss wie die Liebe und Großherzigkeit und Treue. Weil es all das gibt, kann unser Leben schön und heiter sein.

Wie dunkel wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe! Es gäbe dann auch keine Virginia, keinen Glauben, keine Poesie – gar nichts, was das Leben erst erträglich machte. Ein Flackerrest an sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das Licht der Kindheit, das die Welt ausstrahlt, müsste verlöschen.

Es gibt einen Weihnachtsmann, sonst könntest du auch den Märchen nicht glauben. Gewiss, du könntest deinen Papa bitten, er solle am Heiligen Abend Leute ausschicken, den Weihnachtsmann zu fangen. Und keiner von ihnen bekäme den Weihnachtsmann zu Gesicht – was würde das beweisen?

Kein Mensch sieht ihn einfach so. Das beweist gar nichts. Die wichtigsten Dinge bleiben meistens unsichtbar. Die Elfen zum Beispiel, wenn sie auf Mondwiesen tanzen. Trotzdem gibt es sie.

All die Wunder zu denken – geschweige denn sie zu sehen -, das vermag nicht der Klügste auf der Welt.

Was du auch siehst, du siehst nie alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönen Farbfiguren suchen. Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt, einen Schleier, den nicht einmal die Gewalt auf der Welt zerreißen kann. Nur Glaube und Poesie und Liebe können ihn lüften. Dann werden die Schönheit und Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein. ,Ist das denn auch wahr?’ kannst du fragen. Virginia, nichts auf der ganzen Welt ist wahrer und nichts beständiger.

Der Weihnachtsmann lebt, und ewig wird er leben. Sogar in zehn mal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.

Frohe Weihnacht, Virginia.

Dein Francis Church.”

An meine liebe Schwester,
ich möchte mich bei dir wegen damals entschuldigen. Ja, es gibt einen Weihnachtsmann. Genauso, wie es Feen und Engel gibt, von denen wir Träumen und die wir sogar manchmal sehen können. Vielleicht in einer ganz anderen Gestalt, wie wir sie uns nicht vorgestellt hätten. Manchmal ist es nur ein Gefühl der Freude oder des Glücks, wenn sie sich in unserer Nähe befinden und manchmal ist es ein lieber Mensch dem wir begegnen.
Ich möchte, dass du auch weiter in deinem Leben an den Dingen fest hältst, an die du glaubst und die du wichtig findest. Lass dich von keinem Menschen, auch nicht von mir, von deinen Träumen und Zielen abbringen!

Ich wünsche allen eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit!

Eine Klageschrift gegen den Weihnachtsmann

Eine etwas andere Sicht der Dinge…

§§ Klage gegen den Weihnachtsmann §§

Lieber guter Weihnachtsmann,
jetzt ist’s soweit, jetzt bist du dran.
Mein Chef ist nämlich Rechtsanwalt.
Der klagt dich an, der stellt dich kalt.

Schon seit vielen hundert Jahren,
bist du nun durch das Land gefahren,
ohne Nummernschild und Licht.
Auch TÜV und ASU gab es nicht.

Dein Schlitten eignet sich nur schwer,
zur Teilnahme am Luftverkehr.
Es wird vor Gericht zu klären sein:
Besitzt du ‘nen Pilotenschein?

Durch den Kamin ins Haus zu kommen,
ist rein rechtlich streng genommen
Hausfriedensbruch – Einbruch sogar.
Das gibt Gefängnis, das ist klar.

Und stiehlst du nicht bei den Besuchern,
von fremden Tellern Obst und Kuchen?
Das wird bestraft, das muss man ahnden.
Die Polizei lässt nach dir fahnden.

Es ist auch allgemein bekannt,
du kommst gar nicht aus diesem Land.

Wie man so hört, steht wohl dein Haus
am Nordpol, also sieht es aus,
als kämst du nicht aus der EU.
Das kommt zur Klageschrift dazu!

Hier kommt das Deutsche Recht zum Tragen.
Ein jeder Richter wird sich fragen,
ob deine Arbeit rechtens ist,
weil du ohne Erlaubnis bist.

Der Engel, der dich stets begleitet,
ist minderjährig und bereitet
uns daher wirklich Kopfzerbrechen.
Das Jugendamt will mit dir sprechen!

Jetzt kommen wir zu ernsten Sachen.
Wir finden es gar nicht zum Lachen,
dass Kindern du mit Schläge drohst.
Darüber ist mein Chef erbost.

Nötigung heißt das Vergehen
und wird bestraft, das wirst du sehen,
mit Freiheitsentzug von ein paar Jahren.
Aus ist’s bald mit dem Schlittenfahren.

Das Handwerk ist dir bald gelegt,
es sei denn dieser Brief bewegt
dich, die Kanzlei reich zu beschenken.
Dann wird mein Chef es überdenken!